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ego seco, tu eliges – Rom an einem Tag

Was kroch 753 nochmal aus dem Ei? Genau, Rom, die Stadt, die seit 2778 Jahren zu den wichtigsten Metropolen Europas gehört. Und seitdem hat die Ewige Stadt Vandalen, Diktatoren und Päpste überstanden, Weltarchitektur erschaffen und nichts von ihrer Bedeutung verloren.
In „Rom an einem Tag“ hüpfen wir zurück in die Antike und bauen uns ein kleines Reich aus Plättchen zusammen. Das Problem dabei ist aber, dass ich diese mit dir teilen muss.

Rom an einem Tag | Jewgeni Petrow | Strohmann Games 2026 auf BGG

💡 Jewgeni Petrow ✏️ Irina Petschenkina, Oleg Proschinki ⁉️ Familien-/Kennerspiel 👨‍👩‍👧‍👧 2-5 Personen ab 8 Jahren 🕔 30-60 Minuten ❔I cut you choose

darum geht’s in rom an einem tag

Im Verlauf von vier Runden wirst du vor dir dein kleines, feines Reich aus Sechseckplättchen aufbauen. Dabei geht’s durch jede Spielrunde im Rhythmus eines Viervierteltakts: Plättchen aufdecken, schmackhafte Angebote unterbreiten, Plättchen bekommen und sie dann zu Landschaften zusammenpuzzeln. Als Spielhilfe für den Ablauf der Phasen dient dir die Innenseite deines Sichtschirms. Ob der aber in jeder Phase des Spiels hilfreich ist, sei dahingestellt. Mir ist er tatsächlich zu abstrakt und überladen.

Am Ende der vierten Runde greift ihr euch den Wertungsbogen und findet heraus, wessen Reich die meisten Punkte eingebracht hat.

Die Landschaft, die ihr vor euch entstehen lasst, bietet Olivenhaine, Weinberge und Kornfelder sowie Stadtviertel und Steinbrüche. Natürlich unterscheiden sie sich in ihrer Gestaltung voneinander, sodass am Ende eine fünffarbige Landschaft entsteht, in der im besten Fall noch Holzmeeple-Gebäude zu finden sind. Die Plättchen und die Gebäude sind die Motoren eurer Punkteabrechnung, denn sie sind die Faktoren einer Multiplikationsaufgabe, die am Ende von „Rom an einem Tag“ für jede Landschaftsart gelöst werden muss. Dabei gilt: Gebäude auf oder direkt angrenzend an einer gleichfarbigen Landschaft werfen Punkte ab.

i cut, you choose

Das Herzstück von „Rom an einem Tag“ ist die Frage, wie du an deine Plättchen kommst. Dabei teilst du nämlich verborgen hinter einem Sichtschirm die fünf Plättchen der aktuellen Runde in zwei Portionen auf. Wie du das zahlenmäßig machst, ist ganz dir überlassen. 3 zu 2, 1 zu 4, 0 zu 5 – in deinen Gedanken darfst du alles durchplanen. Du musst aber bedenken, dass du beide Portionen deiner Nachbar:in anbieten musst. Und sie entscheidet, welche Plättchen zu ihr wandern und welche du für deine Landschaft bekommst.

In der weiten Welt der Spielmechanikfachbegriffe nennt dieses Aufteilen ‚I cut, you choose‚, also so viel wie ‚ich teile das Material ein, aber du darfst zuerst aussuchen‘. Diese Mechanik hat Tradition und sie schaffte es in der Kombination mit Plättchenlegen sogar schon mal zum Kennerspiel des Jahres. 2016 gewannen Alexander Pfister und Andreas Pelikan damit die Auszeichnung für „Isle of Skye: Vom Häuptling zum König„.

Um den Angeboten noch Würze zu verleihen, schacherst du zusätzlich zu den Plättchen auch Edelsteine und die Gebäude hin und her, die du für die Multiplikationen brauchst. Da kann ein prüfender Blick in die Auslage nach rechts und links schon mal den Ausschlag geben, wie du deine Päckchen schnürst. Du willst ja nicht zu viel gönnen, aber wenn du zu gierig erscheinst, schnappen dir die anderen deine Portion weg, auch wenn sie diese vielleicht gar nicht gebrauchen können.

Gleichzeitig bekommst du aber auch von einer anderen Person ein Lock-Angebot zum Aussuchen. In diesem Geben und Nehmen steckt nicht nur die motivierende Dynamik zwischen dreist und sicher in der Plättchenverteilung abwägen zu müssen, sondern auch fast schon die Notwendigkeit eine Partie mit drei, vier oder fünf Personen zu spielen. Nur dann entsteht dieses Hirngewirbele um die besten Plättchen-Gebäude-Edelstein-Kombis.

herausfordernd für leute mit links-rechts-störung

„Rom an einem Tag“ wechselt in den unterschiedlichen Runden die Richtung, in die du mit deiner direkten Nachbarin tauschst. Damit du dich daran erinnerst, gibt es zweiseitige Richtungsweiser, die ihr zwischen euch legt. Sie sollen helfen, den Überblick zu bewahren und arbeiten eigentlich mit klaren Farben und eindeutigen Darstellungen eigentlich selbsterklärend. Aber glaubt mir: in der Spielpraxis kann an dieser Stelle echte Verwirrung aufkommen, wem ich was anbiete und von welcher Person ich etwas nehmen darf. Ich würde gerne schreiben, dass das alles nur ein Ich-Problem ist, aber in den verschiedenen Testrunden war immer jemand dabei, die sich in dieser Phase schwer tat.

war’s das schon

Um ehrlich zu sein, hat mich „Rom an einem Tag“ in der Grundvariante, die ich euch beschrieben habe, nicht lange motiviert. Dafür ist der Ablauf zu eindimensional und erinnert an bereits etablierte Familienspiele, wie etwa Kingdomino. Viel Abwechslung gab es in den einzelnen Partien nicht zu erleben, und so schmeckte „Rom an einem Tag“ schon nach etwa 5 Partien fad.

Die Überraschung – und die damit auch die nötige Würze – steckt aber schon direkt in der Schachtel. „Rom an einem Tag“ spendiert in der deutschen Ausgabe nämlich direkt die Händler-Erweiterung. Und diese hebt Spiel auf ein ganz anderes Niveau, sowohl was die Langzeitmotivation als auch das spielerische Niveau betrifft. Treffend wird sie in der Anleitung auch als erweiterte Version bezeichnet und bekommt dafür eine zusätzliche Anleitung inklusive Begleitheft spendiert.

auf dem weg zum kennerspiel

Mit dem zusätzlichen Material wird „Rom an einem Tag“ wirklich wild: Es gibt nun Doppellandschaften, Festungen, Elefanten und Aufträge. Die Idee und der Ablauf des Grundspiels bleibt natürlich gleich, verlängert sich aber um zwei weitere Phasen. Die Aufträge, die du über die Elefanten erhalten wirst, sorgen dafür, dass du das Planen deiner Landschaften nun wirklich taktisch angehen kannst.

Ab sofort hast du nämlich individuelle Wertungsziele, auf die du dann spielen kannst. Extrapunkte für Landschaften mit Elefanten gefällig? Oder wertvollere Kristalle? Vielleicht steigerst du auch die Werte deiner Steinbrüche oder sammelst zusätzliche Punkte für die klitzekleinen Gebiete, die sonst nichts wert sind. Die Aufträge aus der fortgeschrittenen Version bringen jetzt die Abwechslung, die ich im Grundspiel vermisst habe. Und solltest du mal etwas nicht auf Anhieb verstehen, kannst du jederzeit in den Erläuterungen nachschlagen.

Bei einer Erweiterung, die thematisch etwas mit Handel zu tun haben will, muss es natürlich auch einen Markt geben. Auf einem zusätzlichen Tableau warten auf dich zusätzliche Landschaften, Kristalle und Gebäude für die Wertungen. Wer zuerst zugreifen darf, wird durch die Aufträge geregelt, die ihr euch in dieser Runde organisiert habt. Das Management des Markttableaus ist durchaus knifflig, denn es muss für jede der vier Runden immer wieder aufgefüllt und angepasst werden. Gönnt euch den Luxus, dass eine Person aus eurer Spielgruppe sich darum exklusiv kümmert, damit die Auslage auch immer auf dem neusten Stand ist.

die wahl liegt bei dir

Ob du das Grundspiel oder die erweiterte Version spielen wirst, liegt natürlich absolut bei dir. Um aber mit dem Grundprinzip von „Rom an einem Tag“ vertraut zu sein, solltest du dir zwei bis drei Partien der Basisvariante gönnen, bevor du mit erweiterten Regeln spielst. Insbesondere empfehle ich dieses Vorgehen, wenn du Personen zu einer Partie einlädst, für die „Rom an einem Tag“ noch komplett unbekannt ist.

für wen ist es

Das Grundspiel von „Rom an einem Tag“ kannst du aus dem Hut zaubern, wenn du mit Leuten spielst, denen du den interessanten Auswahlmechanismus näherbringen möchtest. Das Plättchenlegen ist im Vergleich zu Kalibern, wie etwa Akropolis oder Cascadia, eher unspektakulär.

Die erweiterte Version dagegen sollten alle ausprobieren, die ein anspruchsvolleres Plättchenspiel kennenlernen wollen, bei dem das Spielerlebnis nicht nach Muster-X gestrickt ist. Die Aufträge entscheiden dann nämlich in erheblichem Maß über deine Taktik in der Partie.

Transparenzhinweis: 
Das Spiel wurde zu Rezensionszwecken ohne Auflagen vergünstigt zur Verfügung gestellt.

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