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viel zu tun für deine Ehre – Ronin

Brettspiele erfüllen verschiedene Funktionen. Für mich sind sie eine wunderbare Form des Eskapismus, der mich vom Arbeitsalltag abtauchen lässt in neue Welten, in denen man sich um andere Dinge kümmern muss, kümmern darf. Ich beschäftige mich so sehr mit neuen Aufgaben, dass ich die realen Gehirnzwirbler mal vergessen kann. Brettspiele können zudem lehrreich sein, weiterbilden.

Schon mal was von den Ronin gehört? Ich gebe zu, ich bis neulich nicht. “Ronin” von Emanuele Ornella lehrte mich, dass dies herrenlose Samurai waren, die in Schande und Verachtung durch das feudale Japan ziehen mussten. Und keine zwei Wochen später konnte ich dieses neue Wissen mit geübter Nonchalance in eine Konversation einfließen lassen.

eine Rezension von Pete Schwaer (Brettseggel)

Ronin | Emanuele Ornella | Queen Qames 2025 auf BGG

Ronin Cover

💡 Emanuele Ornella 🖌️ ohne Angabe 👤 1-5 Personen ab 10 Jahren 🕋 Queen Games 2025
🕐 20+ Minuten ❔ Worker Placement

darum geht’s in ronin

In “Ronin” ziehen wir als Krieger durch die Lande, um neuen Ruhm zu erwerben und vielleicht am Ende wieder die Gunst eines Shoguns zu erlangen. Dabei läuft das Spiel über mehrere Phasen.

ganz Japan ist deine Welt

Der zentrale Spielplan zeigt eine Karte von Japan und ist in 10 Regionen aufgeteilt. In Phase 1 des Spiels besetzen wir mit unseren 5 Ronin nacheinander eine der Städte, die entweder in einer Region liegen oder an zwei Regionen angrenzen. Dabei darf ich direkt die Aktion des ausliegenden Stadtplättchens nutzen – das kann ein Meditiationsplättchen sein, ein Zug auf der Teezeremonienleiste, der Bau einer Burg, der Erlernen einer Fähigkeit oder neue Missionskarten. Anschließend wird das Plättchen auf die Rückseite gedreht, womit bereits die mögliche Aktion für die folgende Runde angezeigt wird. Gleichzeitig wähle ich mit einer Stadt auch die Option, eine Ressource zu “ernten” (Münzen, Schwerter, Reis, Fisch, Porzellan).

nimm, was dir gebührt

Sind alle Ronin eingesetzt, wird der Einfluss jedes Spielenden geprüft – wer die meisten Ronin eingesetzt hat, eventuell noch eine Burg gebaut hat, darf als erster von den ausliegenden Ressourcen auswählen. Ist mein Einfluss zu gering, gehe ich aber auch mal leer aus.

Mit den Ressourcen wiederum und passend in Städte entsandten Ronin erfülle ich später Missionen – eigentlich Lieferaufträge. Je nachdem wie ich diese auswähle, kann ich noch zusätzliche Bonusplätzchen erhalten. So mache ich die meisten der im Spiel zu vergebenden Punkte.

kümmere dich um passende Aufträge

bekannt und bewährt

Hinter dieser Auflistung der Abläufe verbergen sich mehrere bekannte Mechanismen. Wir setzen Arbeiter bzw. Ronin ein, kämpfen um Gebietskontrolle, betreiben Ressourcen-Management sowie Set Collection und erfüllen Aufträge. Zudem können wir unseren Charakter entwickeln, indem wir unsere Ronin Fähigkeiten erlernen lassen (und dabei entsprechende Plättchen als Merkposten erhalten).

Keine der Mechaniken steht klar im Vordergrund und trotz dieses Mixes wirkt das Spiel nicht überladen, die einzelnen Rädchen greifen passend ineinander und drehen sich geräuschlos. 


angenehmer wettbewerb

Das Gerangel um Gebietsherrschaft und Zugriff auf die Ressourcen sorgt für ein mir sehr angenehmes Maß an Interaktion, die mehr Wettbewerb ist als Konfrontation. Dieser Wettbewerb läuft nicht jedoch in jeder Runde gleich ab. Mit neuen Fähigkeiten ändern sich die Einsatzmöglichkeiten für meine Ronin. Das Spiel gewinnt dadurch an Abwechslung und taktischen Möglichkeiten.

dein Ronin-Zuhause


behalte den überblick

In diesen Fähigkeitsplättchen versteckt sich allerdings auch ein Stolperstein. Mit 15 verschiedenen Plättchen sind die Fähigkeiten kaum zu überblicken, die Symbolsprache ist auch nicht immer eindeutig. Das führt dann schon zu wiederholtem Nachschlagen, was der einzelne Ronin kann, was den Spielverlauf ins Stocken geraten lässt. Gerade in den ersten Spielrunden kann das störend auffallen.

geht mit Anleitung in der Hand

Eine weitere Hürde sind (für mich) die Städtenamen, die ich immer wieder neu auf der Karte suchen muss: Da stelle ich doch fest, dass meine Kenntnisse der japanischen Geographie stark beschränkt sind. Aber das kann man ja durchaus als ‘lehrreich’ im Sinne der Einleitung verbuchen.

Insgesamt fühlt sich der Rundenablauf jedoch rund und belohnend an, denn wenn auch nicht immer der maximale Ertrag zu holen ist, geht man in der Regel höchstens bei einzelnen Ronin leer aus. Um im Zweifel die Nasenspitze doch noch vorn zu haben, empfiehlt es sich übrigens, fleißig Tee zu trinken und dabei wahrscheinlich Netzwerke zu pflegen: Die Position auf der Teezermonienleiste entscheidet Gleichstände (was mir in der Erstpartie sehr schmerzhaft vermittelt wurde, zu spät).

für wen ist es

Dass ich mich dadurch ins mittelalterliche Japan zurückversetzt fühle, möchte ich nicht behaupten. Dennoch bietet “Ronin” ein gehobenes Kennerspiel von angenehm kurzer Spieldauer, bei dem ich mich hineinbegeben muss, um erfolgreich zu sein – und damit lass ich dann meine eigene Welt tatsächlich für eine Weile zurück


Diese Rezension stammt von Brettseggel Pete.
Pete spricht und schreibt am liebsten über Spiele, die er mag. Die anderen spielt er nicht oft genug, um sich ein Urteil anmaßen zu wollen.

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