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Die Story eines Herrschers – Fate Flip: Mein Königreich

Mit der Würde und Weisheit eines wahren Herrschers schaue ich von den Zinnen meiner Feste über mein Reich. Alles, was ich sehe, habe ich geschaffen.
Mein Volk lebt in Frieden, weil meine Feinde mich fürchten. Wie ich das geschafft habe?
Nun, lauscht meiner Geschichte, die in den jüngsten Tagen im Thronsaal meines Vaters begann.

Fate Flip: Mein Königreich | Johannes Krenner | Frosted Games 2026

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💡 Johannes Krenner ✏️ Durova et al ⁉️ Kenerspiel 👨‍👩‍👧‍👧 1 Personen ab 10 Jahren 🕔 25-45+ Minuten

augen auf bei der berufswahl

In „Fate Flip: Mein Königreich“ erlebst du den Werdegang eines Herrschers von seiner Zeit als ungeschliffener, kleiner Knirps bis zu seiner royalen Reife. Dabei arbeitest du dich über drei Kapitel durch einen umfangreichen Kartenstapel, fällst Entscheidungen und managst deinen Alltag in einem persönlichen Spannungsfeld zwischen Ehre und Lebensfreude. Dabei folgst du einem festen Spielrhythmus: Lies den oberen Teil der Karte, entscheide dich und passe deine Werte an.

Das namensgebende Flip-Element kommt daher, weil du entsprechend deiner Entscheidungen Karten drehst und wendest, sie wieder in den Kartenstapel integrierst und so den Verlauf deiner schicksalsträchtigen Geschichte bestimmst. Dabei ist „Fate Flip: Mein Königreich“ ein reines Solo-Abenteuer. So zumindest sieht das die deutsche Redaktion von Frosted Games, weshalb sie es auch genau so auf die Schachtel gedruckt haben. Der ursprüngliche Verlag, Red Cat Games, hatte da noch die verwegene Idee, dass das Spiel mit bis zu 99 Personen spielbar sei. Verwerft diesen Gedanken aber schnell. „Fate Flip: Mein Königreich“ folgt da nämlich ganz in den Fußstapfen von Spielen wie etwa „Palm Island„. Und auch thematisch fällst du deine Entscheidungen in deinem Weg an die Macht als Einzeperson. Kurzum: solo or nogo!

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alle fangen mal klein an

Als zukünftiger Regent startest du im ersten Kapitel in deiner Kindheit mit einem überschaubaren Stapel von fünf Storykarten. Du bist zwar durch die Texte auf den Karten nicht wirklich auf die Rolle eines Mannes festgelegt, aber die Illustrationen deuten schon klar darauf hin, dass dir im Verlauf der Partie ein Bart wachsen wird.

Die Orientierung, in der die Karten in deiner Hand liegen, ist für den Verlauf des Spiels von größerer Bedeutung. Stelle daher sicher, dass du nichts versehentlich drehst oder neu arrangierst, wenn du nicht dazu aufgefordert wirst. Zusätzlich legst du auf einer Übersichtskarte mithilfe hübscher Clips die Persönlichkeitswerte deines Alter Egos fest: Wissen, Ehre und Lebensfreude. Und ich kann dir direkt sagen, dass die letzten beiden in direktem Widerspruch zueinander stehen, wenn es um deinen Werdegang geht. Verändert sich einer dieser Werte, weil du Wissen gewinnst, Ehre verlierst oder deine Lebensfreude steigerst, passt du ihn unkompliziert an, indem du den entsprechenden Clip auf der Skala verschiebst.

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Jede Storykarte kommt im gleichen Aufbau daher und stellt dich nach einem kurzen Einleitungstext aus wenigen Zeilen direkt vor eine Entscheidung. Ich rate dir schon mal, deine Lesebrille aufzusetzen, denn die Texte sind wirklich sehr klein abgedruckt. Zwar stimmt der Kontrast zwischen hellem Kartenhintergrund und schwarzen Buchstaben, aber mich als Gleitsichtbrillenträger hat das Lesen schon angestrengt.

was gibt’s zu tun

Die Storykarten bieten dir in der Regel zwei bis drei Handlungsoptionen, die sich unterschiedlich auf deine Werte auswirken. So kannst du beispielsweise beim Versuch, ein Porträt von dir anfertigen zu lassen, den Hofnarren zur Belustigung bestellen, die Sitzung geduldig aussitzen, bis die Sache vorbei ist, oder deinen Hoflehrer hinzubitten, damit er dich beim langweiligen Herumsitzen wenigstens in Wappenkunde unterrichtet. Entsprechend deiner Wahl passt du deine Werte an, flippst die Karte über die kurze oder lange Kante und sortierst sie wieder in den Stapel ein. Bildsymbole sagen dir genau, was zu tun ist – und nach wenigen Momenten versteht der Kopf auch, was die Augen da sehen. Für die ersten Schritte hilft zudem die Symbolübersicht in der Anleitung

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Während du dich entsprechend deiner Entscheidungen durch den Kartenstapel spielst, sammelst du gelegentlich auch mal Belohnungen deines Handelns ein. So erhältst du beispielsweise Gegenstände, wie ein Schwert, oder schaltest durch wachsendes Wissen völlig neue Storykarten frei.

Vermeiden solltest du jedoch unbedingt, dass einer deiner Werte auf den Wert 0 sinkt – sonst manövrierst du dich in eine spielerische Sackgasse und besiegelst das vorzeitige Ende deiner steilen Karriere. Schaffst du es hingegen, klug und balanciert zu agieren, erreichst du das nächste Kapitel deiner Erfolgsstory. Auf die Kindheit folgt die Jugendzeit und letztlich deine Ära auf dem Thron.

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du hast die wahl

Die Geschichte, die du in „Fate Flip: Mein Königreich“ erleben kannst, bietet dir 12 verschiedene Enden. Ob du dich am Ende als mittelloser Pilger oder als mächtiger Power-Regent aus dem Spiel verabschiedest, liegt ganz bei dir. Wenn es dir so geht wie mir und beispielsweise Kapitel I viel zu schnell oder erfolglos endet, lässt sich das Spiel relativ unkompliziert zurücksetzen. Du musst lediglich die gespielten Karten wieder in ihre ursprüngliche numerische Reihenfolge bringen, um einen neuen Versuch zu wagen.

Motivierend gemacht ist auch, dass du im Verlauf deiner spielerischen Karriere Achievements freischalten kannst. Hast du dich gerächt? Waren deine Kassen immer prall gefüllt? Konntest du hilfreiche Allianzen schmieden? „Fate Flip: Mein Königreich“ versteht es, dir die unterschiedlichen Erzählpfade schmackhaft zu machen, und versucht dich für weitere Durchgänge zu motivieren.

Da die drei Kapitel unterschiedlich umfangreich sind, variiert auch deren Spieldauer. Deine Kindheit hast du schnell erlebt – dafür reichen wohl 15 Minuten. Sie dient vor allem als Tutorial, um die Symbole und den Kartendreh-Mechanismus zu verinnerlichen. Für deine Jugend und den Höhepunkt deiner Regentschaft solltest du jedoch mehr Zeit einplanen: So ein Durchgang kann schon mal 45 Minuten in Anspruch nehmen.

to do or not to do

Das Herzstück sind natürlich die Entscheidungen, vor die mich „Fate Flip: Mein Königreich“ stellt. Dabei bin ich jedoch auf zwei Aspekte gestoßen, die mich nachdenklich machen. Zum einen habe ich mich bei den einzelnen Entscheidungen nicht in einer erzählerischen Welt wiedergefunden, in der sich die Ereignisse der verschiedenen Karten zu einem übergeordneten Handlungsbogen verweben.

Zwar habe ich es mit einstürzenden Eisenminen und korrupten Ratsherren zu tun, aber eben immer nur im isolierten Rahmen der jeweiligen Karte. Mir fehlte eine narrative Klammer, die sich um das gesamte Kapitel legt. Umso cooler ist es dafür, wenn ein Ereignis später wieder auftaucht, nachdem ich mich zuvor damit beschäftigt, eine Entscheidung gefällt und die Karte entsprechend umgedreht und neu einsortiert habe. Aber auch dann bleibt immer noch der fade Beigeschmack, dass diese Handlung gerade überhaupt nicht zu dem passt, was ich gerade zuvor erlebt habe. 

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Zum anderen habe ich aus ganz pragmatischen Gründen nicht immer das entschieden, was eigentlich meine bevorzugte Wahl gewesen wäre. Beispielsweise hätte ich während meiner Kampfausbildung gerne eine Option gewählt, die mich allerdings drei Punkte meiner Lebensfreude gekostet hätte. Da ich mir aber bewusst war, dass diese Punkte damit aufgebraucht gewesen wären und das Abenteuer geendet hätte, musste ich umsteuern. Stattdessen wählte ich eine Option, die zwar meine Ehre befeuerte und mich im Spiel hielt, hinter der ich persönlich aber niemals gestanden hätte. So etwas nennt man glaube ich Pragmatismus und da soll ja der Gegensatz zu Idealismus sein.

für wen ist „fate flip: mein königreich“

Fate Flip: Mein Königreich“ folgt der Tradition klassischer Choose-your-own-Adventure-Spielbücher, kleidet sich jedoch in das Gewand eines Kartenspiels. Auf insgesamt 72 Karten erlebst du eine Lebensreise, die sich über drei Kapitel erstreckt – und wo diese Reise endet, entscheidest du. Das clevere Kartenmanagement und die durchdachte Symbolsprache rücken „Fate Flip: Mein Königreich“ für mich dabei definitiv in die Richtung eines Kennerspiels für genau eine Person. Solltest du Lust auf das Spielsystem der Story-Karten haben, aber das auch mit Robinson-Crusoe-Atmosphäre erleben wollen, gibt es mit „Fate Flip: Verschollen“ noch einen weiteren Teil der Reihe zu entdecken. 

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