zwei Karten reichen aus – Amarok
Ich finde es ja immer wieder erstaunlich, wenn zwischen all den Neuerscheinungen noch Spiele auftauchen, die sich wirklich anders anfühlen – nicht weil sie besonders komplex sind oder das Rad neu erfinden, sondern weil sie aus ganz einfachen Ideen etwas machen, das frisch und spannend wirkt. Genau dieses Gefühl hatte ich bei „Amarok“.
Amarok
Spielidee von Charlène Chaps
Illustrationen von Baptiste Perez
Subverti 2025
für 3-6 Personen in 15 Minuten
Deduktion

darum geht’s in amarok
Eigentlich macht man in „Amarok“ gar nicht viel: Man spielt zwei Karten vor sich aus und schon wird gewertet. Das Ganze wiederholt sich so lange, bis eine Person drei Runden gewonnen hat und damit den Sieg davonträgt. Der Begriff Amarok kommt übrigens aus der Sprache der Inuit und bedeutet Wolf oder Wolfsgeist. Ja, das ist wertvolles Pubquiz-Wissen.
so wird gespielt
Euer Ziel ist es, die aktuelle Bedingung der Wolfskarte am besten zu erfüllen. Diese bestimmt, ob am Ende der höchste oder der niedrigste Gesamtwert der eigenen ausgelegten Karten gewinnt.

Zu Beginn haben alle zwei Handkarten; zusätzlich liegen zwei Karten in der Tischmitte aus. Wer am Zug ist, spielt eine Karte aus. Das kann eine eigene Handkarte sein, eine Karte aus der Tischmitte, eine Karte einer anderen Person oder sogar die oberste Karte vom Nachziehstapel. Der Kniff dabei: Es wird weder aufgefüllt noch nachgezogen. Neue Karten kommen nur ins Spiel, wenn jemand blind vom Nachziehstapel zieht. Wer irgendwann keine Handkarten mehr hat, muss auf die Karten der Mitspielenden zurückgreifen.
lust auf kɔnfɾɔntɑˈtsĭoːn
Allein das wäre schon interessant genug, gäbe es nicht noch einige fiese Sonderkarten. Man kann sich selbst in die Falle manövrieren und den eigenen Sieg unmöglich machen, Karten zerstören, die Siegbedingung verändern oder auf zwei Herzkarten setzen, die den sicheren Rundensieg bringen. Und dann kommt noch ein Twist dazu, den ich besonders mag: Wer Runden gewinnt, bekommt weniger Informationen! Als Rundensieger.in spielt man zunächst mit einer, später sogar mit zwei verdeckten Karten. Du siehst nur die Rückseite, die anderen kennen die Werte.

Klar, Glück spielt bein „Amarok“ auf jeden Fall eine Rolle. Gleichzeitig kann man wunderbar bluffen, pokern, abwägen und ein bisschen deduzieren. Am meisten Spaß macht mir aber das gegenseitige Belauern: Es ist herrlich, wenn jemand so gar kein Pokerface hat und man meint, genau zu wissen, was die Person auf der Hand hält – oder wenn man einfach alles auf eine Karte setzt, blind zieht und tatsächlich die zweite Herzkarte erwischt.
für wen ist es
Mich hat „Amarok“ so richtig positiv überrascht. Es ist klein im Format und schlank an Regeln. Da eine Runde wenige Minuten dauert, ist „Amarok“ unglaublich flott gespielt. Für eine ganze Partie braucht es dann vielleicht 15 bis 20 Minuten. Das passt ziemlich genau auf die Bedürfnisse eines Familienspiels für den schnellen Spaß zwischendurch. Aber packt es auch gerne mal aus, wenn eure Vielspiel-Freunde sich angemeldet haben. Sucht ihr die zusätzliche Abwechslung im Spiel, probiert gerne die Teamvariante aus.

kaufen oder warten
Mir persönlich macht „Amarok“ nach vielen Partien immer noch genauso viel Spaß wie bei der ersten. Außerdem ist das Spiel so klein, dass es in jede Tasche passt und überallhin mitgenommen werden will.
Aktuell bekommt ihr zwar nur eine französische oder englische Ausgabe, wer aber bis zum Herbst 2026 warten kann, darf sich auf eine deutsche Ausgabe bei HUCH! freuen. Die Sprache spielt übrigens nur bei der Anleitung eine Rolle, da die Karten komplett sprachneutral sind.
Lust auf mehr?
Auslandskorrespondentin Sandra informiert euch im Podcast-Format „Was macht eigentlich Bruno?“ regelmäßig über Spiele aus Frankreich, die es verdienen, gespielt zu werden.

