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den Göttern so nah – Skybridge


Warum braucht man Brücken? Die Antwort scheint banal. Natürlich willst du natürliche Hindernisse überqueren. Klar machen sie auch Wege kürzer. Aber manchmal verbinden sie auch Welten mit Sternen. Und an einem solchen Projekt arbeiten wir spielerisch bei „Skybridge“. 

Skybridge | Rieneck & Vohwinkel | Deep Print Games 2025 auf BGG

💡 Michael Rieneck & Franz Vohwinkel 🖌️ Franz Vohwinkel 👤 2-4 Personen ab 12 Jahren
🕋 Deep Print Games 2025 🕐 90+ Minuten ❔ Tableaubuilding

darum geht’s in skybridge


Das Kennerspiel „Skybridge“ versetzt dich in die fantastische Welt Thraen. Dort baut ihr an der Weltenbrücke und sammelt Machtpunkte. Das Volk, das es am Ende des Spiels am besten hinbekommen hat, dabei Rebellen zu bändigen und in der Gunst der Godheiten zu stehen, gewinnt.
Für den Fall, dass dir der Name Thraen noch nicht untergekommen ist: Er stammt aus einer fantastischen Romanreihe von Franz Vohwinkel, die noch vor der Veröffentlichung steht. Das Brettspiel ist hingegen erhältlich.

Bauparadies Thraen

Auf jeden Fall sind die Völker dort total darauf versessen, die besagte „Skybridge“ von ihrer Welt zum Augenstern zu bauen. Und wer könnte diesen Job besser übernehmen als du? Schnapp dir eins der doppelseitigen Völkertableaus mit dem farblich passenden Spielmaterial und mache dich mit der besonderen Startfähigkeit deines Anführers vertraut. Ab dann wirst du die meiste Zeit damit verbringen, Materialien anzuschleppen. Nur so kannst du an den insgesamt sieben Abschnitten der Brücke mitbauen.

hybris trifft auf legezwang

Der Motor des gesamten Spielerlebnisses ist deine persönliche Auslage. Um das ambitionierte Projekt der Himmelsbrücke umzusetzen, baust du dir eine potente Effekt-Kette auf. Dazu spielst du Runde für Runde eine Karte aus der Hand an dein Spieltableau. Deine Karten tragen Runensymbole und können nur dort angelegt werden, wo Rune an Rune passt.

Passt? Liegt.

Die maximal fünf Karten in deiner Auslage werden dann von dir aktiviert. Sie versorgen dich mit dringend notwendigen Materialien, lassen dich Handel treiben oder bringen dir die Gunst der Godheiten. Ja, kein fantastisches Reich ohne eigene Götterwelt: Cyclosha, Salthras und wie sie alle heißen, haben Geschenke für dich parat oder sorgen dafür, dass deine Treue am Ende des Spiels in Siegpunkte umgewandelt wird.

Am Ende deines Zugs kannst du am aktuellen Bauabschnitt der Himmelsbrücke bauen, sofern du die notwendigen Mengen an Steinen, Holz und Lasttieren organisieren konntest. Für alle gilt: Wer Siegpunkte will, muss alles auf einmal abgeben können. Teilzeitarbeit oder Joint-Venture-Aktionen gibt es in Thraen nicht.

siebte etage spielende

Neben deiner Baustelle solltest du auch ein Auge auf die Rebellen in der Wüste werfen. Diese fangen an zu murren, wenn ihr mit der Brücke nicht schnell genug vorankommt. Gelingt es dir aber, deine militärische Präsenz in der Wüste zu etablieren, kannst du am Spielende noch ein paar wertvolle Punkte abgreifen.

„Skybridge“ endet, wenn der siebte Abschnitt der Brücke fertiggestellt wurde. Dann sind Thraen und der Augenstern miteinander verbunden. Bis dahin hast du auch mit dem Großen Drakhen Bekanntschaft gemacht. Und in echter Drachen-Art erschwert er natürlich eure Bemühungen.

dem augenstern entgegen

Punkte bekommt ihr für die Bauabschnitte, an denen ihr mitgearbeitet habt, eure Bemühungen um die Godheiten und die Qualität, mit der ihr in der Wüste für Ordnung gesorgt habt. Wer so die meiste Macht angehäuft hat, gewinnt. Für weitere Partien gibt es noch mehr Völkerfertigkeiten zu entdecken – tob dich also aus!

Für eine Partie des Kennerspiels solltet ihr gut 90 Minuten einplanen. Eure Züge wollen wohlüberlegt sein: Wer beim Aktivieren der eigenen Kartenauslage nicht auf Effizienz optimiert hat, verliert schnell den Anschluss.

eine welt für dich


„Skybridge“ zaubert dir eine komplette Welt auf den Tisch. Die Optik des kompletten Materials bereitet mir große Freude, und ich vertiefe mich gern in die Illustrationen – das mache ich sonst echt selten. Dabei fällt auf, dass darauf Wert gelegt wurde, eine kulturell diverse Welt zu erschaffen. Das gilt sowohl für die Gestaltung der Völkerkarten als auch für die Godheitenkarten: Geschlechter, Hautfarben, Ethnien – es scheint, als würde jeder Winkel unserer realen Welt in das fiktive Thraen einfließen.

ein Blick der Entschlossenheit

Die Godheiten haben eigene Namen, unsere Anführer:innen bringen ihre eigene Backstory mit, sogar die Karten für unsere Auslage tragen individuelle Namen. Sprachlich geht es dabei wild zu und vieles klingt nach Zufallsgenerator. Da reicht es auch nicht aus, dass God mit ‚d‘ geschrieben wird oder gerne mal der Buchstabe ‚h‘ in einen Namen hineingemogelt wird. Dafür gibt es für jede Karte noch den eigenen Flufftext als Bonus dazu.

Fleißaufgabe: zähle die ‚H’s

Was das World-Building angeht, kann sich „Skybridge“ mit Spielen wie „Dune Imperium“ oder „Die verlorenen Ruinen von Arnak“ durchaus messen. Aber leider nicht bei der Immersion.

wenn die atmosphäre verpufft


So offen und einladend die Welt auch vor mir liegt: Beim Spielen verblasst sie hinter dem Optimieren meiner Auslage. Ich spiele nicht die Karte „Das Herz von Salthras“, sondern die rote Karte mit dem Metallsymbol, die gerade an meinen Runenslot passt.

Auch der imposante Name von Rhamakh, Godh der Taten und der Folgen, verblasst, wenn er erst einmal gegen ein Lastentier abgeworfen wurde. Und auch wenn der Augenstern als Ziel fast schon ikonisch klingt, bleibt der Bau der Brücke dorthin eine rein mechanische und leider auch auf Dauer ermüdende Aufgabe.

staubig und trocken

Fast schon enttäuscht bin ich von dem, was in der Wüste abgeht. Die Rebellen bieten keine spielerische Herausforderung, sondern sind nur dazu gedacht, den Spielfluss zu beschleunigen. Können die Völker in drei aufeinanderfolgenden Runden den Bau der Brücke nicht vorantreiben, übernehmen die Rebellen das. Das Brückenteil wird dann einfach umgedreht, ihr schaut in die Röhre. Statt eines militärischen Konflikts gibt es für Rebellen am Spielende lediglich Extrapunkte.

für wen ist es


Wenn du Lust auf Karten, Fantasy und starkes Worldbuilding hast, schau dir „Skybridge“ gerne an. Vielleicht hast du zu dritt die beste spielerische Zeit.

Mir hätte „Skybridge“ vielleicht mehr Spielfreude bereitet, wenn ich mich mehr mit der komplexen Welt von Thraen vertraut gemacht hätte. Die Möglichkeiten dazu gibt es ja. Auch ohne den Roman in den Händen zu halten, kannst du auf www.theskybridge.de Textausschnitte lesen und in einem digitalen Tagebuch der Autoren zu blättern.

Letztlich bleibt aber ein Tableaubuilding-Spiel, bei dem ich nicht immer das machen konnte, was ich wollte. Mal fehlten die Ressourcen, mal beschränkte mich der Zugriff auf die Kartenauslage. Und auch die Option, die Wüste militärisch zu regieren, fühlte sich leider sehr trocken an.

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