von der Ursuppe bis zu postapokalyptischen Spielen – Interview mit Stefan Dorra
aus dem leben eines spieleautors
JäiDie: Wie läuft für Dich die Zusammenarbeit mit einem Brettspielverlag ab? Wie viel Einfluss hat eine Redaktion auf das fertige Spiel?
Stefan Dorra: Das ist sehr unterschiedlich. Mit den meisten Redakteuren und Redakteurinnen gibt es eine sehr gute Zusammenarbeit. Als Autor möchte ich nicht nur das Regelwerk liefern, sondern auch mitreden, wenn es um die Themenwahl, den Titel oder die grafische Umsetzung geht. Letztendlich setzt sich hier der Verlag durch, der ja auch das finanzielle Risiko trägt, aber gemeinsam entsteht oft das reizvollere Spiel.
JäiDie: Gab es Spielideen, die ein Verlag zunächst abgelehnt hat, und die später doch erfolgreich wurden?
Stefan Dorra: Es kommt oft vor, dass ein Verlag eine Spielidee ablehnt und diese dann doch erfolgreich von einem anderen Verlag veröffentlicht wird. Es ist ja bekannt, dass selbst Spiele, die zum Spiel des Jahres ↗ gewählt wurden, zuvor von dem ein oder anderen Verlag abgelehnt wurden.
JäiDie: Wie entscheidest Du Dich, mit dem Du Autor*innen-Kooperationen eingehst?
Stefan Dorra: Ich arbeite gern mit anderen Autoren und Autorinnen zusammen. Zuletzt entstand auch das Spiel Cultivo gemeinsam mit meiner Frau und mit Andreas Zimmermann im Spielefaible-Verlag ↗. Bei solch einer Zusammenarbeit ging die Initiative bisher oft vom anderen Autor aus. Wenn mir zu einer geschilderten Spielidee etwas Spannendes einfällt, mache ich entsprechende Vorschläge, und manchmal entwickelt sich daraus eine gute Zusammenarbeit.

aktuelle trends
JäiDie: Wie hat sich die Brettspielwelt in den letzten 20 Jahren aus Deiner Sicht verändert?
Stefan Dorra: Es gibt deutlich mehr Verlage und viel mehr Spiele, die jedes Jahr veröffentlicht werden. Die Kehrseite der Medaille ist, dass ein Spiel heutzutage oft nur noch kurze Zeit im Verlagsprogramm verbleibt, und es für ein Spiel immer schwieriger wird, sich zu etablieren und die eigene Zielgruppe zu finden.
JäiDie: Welche aktuellen Trends im Brettspieldesign findest Du besonders spannend?
Stefan Dorra: In den letzten Jahren sehe ich einen Trend zu kooperativen Spielen, einen Trend zu kommunikativen Spielen und einen Trend zu Kennerspielen mit interessanten und innovativen Mechanismen. Mir persönlich gefällt der zuletzt genannte Trend am besten.
JäiDie: Gibt es Mechanismen oder Themen, die Deiner Meinung nach noch zu wenig öffentlichen Raum bekommen haben?
Stefan Dorra: Es wurde ja schon fast alles thematisiert, vom Weltall bis zur Tiefsee,
vom Wildlife bis zu Zoo-Simulationen, von der Ursuppe bis zu postapokalyptischen Spielen, von Pharaonen und Königinnen bis zu Kartografen und Kanonierinnen. Ich kann echt nicht sagen, was da noch fehlt.
der autor als spieler
JäiDie: Spielst Du in Deiner Freizeit noch viele Brettspiele?
Stefan Dorra: Ja, ich bin nach wie vor leidenschaftlicher Spieler und treffe mich wöchentlich mit Freunden zum Spielen. Ich bin häufig auf Spielemessen und besuche regelmäßig den Sehnder Spieletreff.
JäiDie: Welche Spiele anderer Autor*innen begeistern Dich?
Stefan Dorra: Ich liebe Spiele wie Marco Polo II ↗, Great Western Trail mit der Rails to the North-Erweiterung ↗ oder Die Weiße Burg ↗.

JäiDie: Was macht Deiner Meinung nach ein wirklich gutes Spiel aus?
Stefan Dorra: Die gerade genannten Spiele sind für mich Beispiele für wirklich gute Spiele.
Spiele wie Azul ↗ und Carcassonne ↗ würde ich auch dazu zählen. Ihnen gelingt es, mit einfachen Regeln und einer kurzen, knackigen Spielzeit einen hohen Spielreiz zu erzielen.
JäiDie: Eine letzte Frage zum Schluss: Welchen Hinweis würdest Du Menschen geben, die selbst Brettspiele entwickeln möchten?
Stefan Dorra: Ich würde raten, den Prototypen immer wieder in unterschiedlicher Besetzung gründlich zu testen. Und bei der Vorstellung eines Prototypen sollte man sich von der Ablehnung einer Redakteur:in nicht entmutigen lassen. Oftmals ist es sehr hilfreich, sich das Feedback genau anzuschauen und vielleicht noch an der ein oder anderen Stellschraube etwas zu drehen.
Wir danken Stefan Dorra ganz herzlich für die Antworten auf unsere Fragen. Mehr Informationen über seine Spiele und zukünftigen Projekte findet ihr auf Stefans Internetseite dorra-spiele.de ↗.
Reindl
zur Linde

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