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mit der U5 an den Alex – Next Station Berlin


Berlin 1989. Die Mauer steht, ein großer Döner im Wedding kostet drei D-Mark und ich Landei bin zum ersten Mal in dieser beeindruckenden Stadt. Von der Wiedervereinigung bis zum Sommermärchen – bei alledem, was in Berlin historisch und weltpolitisch seitdem passiert ist, hatten wir ein Ereignis nicht auf dem Plan: 2026 wurde Berlin zum Schauplatz des nächsten Teils der „Next Station“-Reihe.

Next Station Berlin

Spielidee von Matthew Dunstan
Illustrationen von Maxime Morin
Pegasus Spiele 2026
für 1-4 Personen in 30 Minuten
Flip and Write

darum geht’s in next station berlin


Zeichnet U-Bahn-Linien auf eurem Spielplan ein und sammelt über vier Runden die meisten Punkte. In der „Next-Station“-Reihe machen wir das nun bereits zum vierten Mal. An dem Spielprinzip hat sich seit dem ersten Teil der Reihe nichts geändert. Wer bisher noch nicht mit diesem Flip and Write in Berührung gekommen ist, kann gerne hier nachlesen und sein Wissen auffrischen: Next Station London ↗

mit dem around the world ticket an die spree


London, Paris, Tokio und nun Berlin: Die populäre Flip-and-Write-Reihe macht also Halt in der deutschen Hauptstadt. Und weil die Metropole einst in Ost und West geteilt war, bauen wir nun auch immer an zwei Strecken gleichzeitig – eine links und eine rechts.

Stifte, Karten, ein doppelseitige Stadtpläne zum Einzeichnen – am Spielmaterial hat sich auch im vierten Teil der Reihe nichts geändert. Dafür ist der Spielplan in eine Hälfte mit Bär und eine mit Krone unterteilt. Dementsprechend gibt es für jede Farbe auch zwei Startstationen: eine im Bereich des Bären und eine auf der Kronen-Seite. Fast hätte ich geschrieben im Osten und im Westen, aber durch diese Symbolik schlägt „Next Station Berlin“ zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen nutzt es die Historie der Stadt geschickt als Setting – schließlich zeigt Berlins Stadtwappen genau diese Kombination. Zum anderen bekommt man einen spielerischen Rückblick auf die einstige Teilung, die in den Köpfen ja manchmal immer noch nachwirkt. Dabei weiß man aber genau: Berlin und alles drumherum ist eins.

vertraut und doch neu

multikulti im keith-haring-style

Nehmt euch gerne mal einen Moment Zeit und schaut euch die Spielkarten genau an. Im Hintergrund entdeckt man diesesmal die zarten Silhouetten der Berliner Wahrzeichen, wie der Siegessäule oder des Reichstagsgebäudes. Im Vordergrund tummeln sich Strichmännchen in bester Pop-Art-Manier, feiern miteinander, zeigen Szenen in der U-Bahn oder winken gut gelaunt vom Fahrrad. In diesem minimalistischen, lebensfrohen Stil der französischen Illustratorin Maxime Morin ↗ kann ich mich wirklich mit den Augen eintauchen.

flip it like it’s hot


Für die Strecken mit Krone und Bär gibt es jeweils fünf dieser liebevoll illustrierten Karten, die miteinander vermischt werden. Die Zeichen für die Stationen sind immer noch die gleichen, auch die Jokerkarte mit der Weiche ist wieder dabei. Wird eine violette Karte mit einer Krone aufgedeckt, zeichnest du an der Strecke weiter, die auf der Kronen-Seite beginnt. Erscheint eine orangefarbene Karte, wird auf der Bär-Seite weitergespielt. Und da die Stadt historisch betrachtet wieder vereint ist, solltest du bestrebt sein, deine gleichfarbigen Strecken so zu führen, dass sie miteinander verschmelzen. Gelingt dir das, belohnt dich das Spiel mit Extrapunkten.

Spielmaterial meets Popart

das berliner alleinstellungsmerkmal


Diese Zusatzaufgabe ist nicht nur lukrativ, sondern stellt dich auch vor eine spannende logische Herausforderung. Sind die beiden Strecken erst einmal zusammengewachsen, spielt die Farbvorgabe für den Rest der Runde natürlich keine Rolle mehr. Meiner Erfahrung nach gelingt das vor allem in der ersten und zweiten Runde. Ist der Berliner Stadtplan erst einmal bunt, wird das Ganze herausfordernder – aber nicht unmöglich. Wie bei den Vorgängern gilt auch bei „Next Station Berlin“: Kreuzungen und parallele Streckenführungen sind tabu – es sei denn, die Durchgangseffekte kommen ins Spiel!

macht’s abwechslungsreicher: Durchgangseffekte

die willste haben, wa

Diese Extrakarten solltet ihr unbedingt einbauen, wenn ihr euch mit den Grundregeln vertraut gemacht habt. Fünf dieser Effekte gibt es, von denen vier in jeder Partie zufällig den Durchgängen zugelost werden. So könnt ihr beispielsweise die nächste Karte vom Stapel schon sehen, Stationen doppelt werten oder Doppelgleise einzeichnen. Diese Effekte und der Zeitpunkt, an dem sie in „Next Station Berlin“ aktiv werden, bringen eine erhebliche Dynamik in die Partien. Und natürlich könnt ihr eure persönliche Herausforderung noch zusätzlich würzen, indem ihr offene Zielkarten auslegt. Mit diesen Optionen, vom Grundspiel bis hin zur Variante für Fortgeschrittene, bleibt sich die „Next Station“-Reihe einfach treu.

herausfordernder als in london


Die Berlin-Ausgabe wird durch die Kronen-Bären-Streckenführung im Vergleich zum London-Grundspiel auf jeden Fall komplexer und auch komplizierter. Spätestens wenn eine Kronenstrecke in den Bärenbereich überschwappt, verlor ich anfänglich gelegentlich die Übersicht. Auch insgesamt wird der Spielplan enger, weil du dich von zwei verschiedenen Startpunkten jeder Farbe aus durch das Liniengewirr hangelst. Aber auch da gilt: Das Auge gewöhnt sich, das Hirn folgt. Nach einer Handvoll Partien habt ihr diese Herausforderung gemeistert. Spätestens dann ist der Zeitpunkt die Durchgangseffekte dauerhaft in eure Partien einzubauen. 

hat gereicht zum Gewinnen

Wie immer gewinnt die Person das Spiel, die den besten Mix aus Punkten für alle farbigen U-Bahn-Linien, möglichen Zielkarten und Umsteigemöglichkeiten erspielt hat. Dabei hält aber „Next Station Berlin“ noch eine kleine Überraschung parat: Die Weiche ist eine Doppelweiche. Sie lässt dich an beiden Strecken gleichzeitig arbeiten und gibt dir die Möglichkeit, eine zusätzliche S-Bahn-Station einzuzeichnen. Dann kommt ein farbiger Rahmen an die zuletzt eingezeichnete Stationen. Mit solchen Markierung gibt’s mehr Punkte bei den Umsteigemöglichkeiten. 

für wen ist es


Die Karawane zieht weiter – und macht mit dem vierten Teil der Reihe Halt in Berlin. Wenn du das Grundspiel kennst und magst, wird dich auch „Next Station Berlin“ in seinen Bann ziehen. Der Twist, dass du zwei Linien gleichzeitig einzeichnest und ein Fleißbienchen in Form von Punkten bekommst, wenn sie zusammenwachsen, ist für mich das Alleinstellungsmerkmal, das ich gebraucht habe. Um Paris und Tokio hatte ich bisher nämlich einen Bogen gemacht.

das beschäftigt mich sehr


Mit dem folgenden Gedanken habe ich in meinem Umfeld eine kontroverse Diskussion ausgelöst: Ich störe mich an einer der Farben der Stifte in „Next Station Berlin“. Mit den hellen Tönen Blau, Rosa und Grün komme ich gut klar. Was mir aber missfällt, ist, dass ich in einem Berliner Stadtplan braune Linien einzeichnen muss, denn : Berlin und Braun – historisch betrachtet ist das die schrecklichste Kombination, die man in Deutschland finden kann. Und auch aktuell hat Berlin leider eine gewaltbereite rechte Szene.

Ich habe beim deutschen Verlag wegen der braunen Stiftfarbe nachgefragt und Pegasus Spiele hat geantwortet: Materialentscheidungen wären in Frankreich vom Originalverlag Blue Orange ↗ getroffen worden, Pegasus verantworte nur die Lokalisierung der Texte ins Deutsche. Pegasus‘ Marketing Manager Peter Berneiser ↗ hat zudem eine einleuchtende Vermutung geäußert:

Quelle: BVG Netzpläne und Linien ↗

Die U5 – Berlins beliebte Touri-Linie – die Hauptbahnhof, Brandenburger Tor und Alexanderplatz unkompliziert erreichbar macht, hat im Farbengewirr der Berliner Verkehrsbetriebe die Farbe Braun zugewiesen bekommen. Unter dieser Betrachtung – und frei von jeder politischen Bedeutung – ist die Wahl nachvollziehbar. Die Berliner wissen einfach am besten, was für ihre Stadt gut ist – und somit ist ja eigentlich auch alles gesagt. Aber hätte sich die Farbe Lila wie in der London-Edition nicht auch hervorragend geeignet? Oder ein grelles Orange?

Peter Berneiser hat sich für Pegasus Spiele klar, nachvollziehbar und überzeugend positioniert: Der Verlag steht aus Überzeugung gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Die Farbwahl transportiere keine politische Botschaft. Und eine Bekannte, mit der ich meine Beobachtung geteilt habe, hat es zudem auf den Punkt gebracht: Man darf sich von den Rechten nicht die Farben wegnehmen lassen. Daran gibt es nichts zu rütteln!

Und dennoch werde ich mir eine andere Stiftfarbe in die Schachtel legen. Ich mag das Leben bunt.

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