thebai
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Was bitte ist die Kadmeia? – Thebai

Lasst uns mal wieder einen thematischen Abstecher in die griechische Mythologie machen. Weil sich Eteokles und sein Bruder Polyneikes nicht einigen können, wer die Stadt Theben regieren soll, hauen sie sich die Köppe ein. Ratet mal, was wir tun werden? Genau, wir regeln das. Und nebenbei bauen wir noch die in Trümmer liegende Kadmeia auf. 

Thebai | Dávid Turczi | Pegasus Spiele 2025

💡 Dávid Turczi ✏️ Zuzanna Kołakowska, Lucas Melo, Piotr Sokołowski ⁉️ Expertenspiel 👨‍👩‍👧‍👧 1-4 Personen ab 12 Jahren 🕔 90-180+ Minuten

klugschiss zum beginn

Um dich nicht rätseln zu lassen: Die Kadmeia war für Theben das, was die Akropolis für Athen war, also eine Tempelanlage und Prestige-Projekt zugleich. Im Spiel bauen wir sie auf dem Hauptspielplan aus Holzscheiben zusammen. Jede Holzscheibe liefert dann einen Effekt, der von allen genutzt werden kann.

Der Wiederaufbau der Kadmeia ist nur eine der Aufgaben, um die wir uns in dem Expertenspiel „Thebai“ kümmern müssen. Wir verteidigen die Stadttore, machen Hopliten zu Helden und kümmern uns darum, dass unsere hart arbeitende Bevölkerung zu Ratsmitgliedern aufsteigen kann.

einmal Rat immer Rat
einmal Rat immer Rat

An diese Aufgaben müssen wirklich Expert:innen ran. Und das ist nicht verwunderlich, denn „Thebai“ könnte nicht nur wegen des Anfangsbuchstabens in die legendäre T-Reihe aufgenommen werden. Die Komplexität des Spiels rechtfertigt das, auch wenn Tascini und Turczi zwei unterschiedliche Autoren sind. 

macht mal den tisch leer

Beim Vorbereiten des Würfeleinsetz-Spiels werdet ihr merken: „Thebai“ braucht Platz, viel Platz! Macht euch bereit, einen zentralen Spielplan, der die Stadt repräsentiert, ein Playerboard pro Person, eine Altartafel zum Leisten-Steigen, eine Ratstafel für Sieg-End-Punkte, Aufträge, Schicksalsplättchen und Ressourcen überschaubar auf eurem Spieltisch zu puzzeln. Am Schluss liegt doch alles sehr strukturiert an seinem Platz, aber wo ihr eure Snacks und Getränke bereithaltet, solltet ihr gut durchdenken.

darum geht’s in der antike

Über 10 Runden werdet ihr immer im Wechsel von Aktions- und Schicksalsphase um die meisten Siegpunkte kämpfen.

In den Aktionsphasen setzt ihr einen eurer Bevölkerungswürfel ein. Das sind die mit den weißen Gesichtern. Bitte verwechselt sie nicht mit den Hopliten-Würfeln mit den schwarzen Gesichtern.

Beide Würfelarten haben Werte von 1 bis 3 und 1* bis 3*. Der Grund ist, dass sie durch Drehen in ihrem Wert gesteigert werden können. Ein Stern zeigt immer an, dass bei der nächsten Erhöhung ein höherer Wert erreicht wird. Da muss man am Anfang ein bisschen drehen und suchen, bis man den Würfel immer auf die neue Seite angepasst hat. 

welche waren die Hopliden?
welche waren die Hopliden?

Für eure Bevölkerungswürfel gibt es zwei Orte, an denen sie eingesetzt werden können. Packt sie auf euer persönliches Playerboard und löst eine der damit verbundenen Aktionen aus. So kannst du beispielsweise neue Aufträge organisieren, Geld und Waren bekommen und auch wieder ausgeben, Hoplitenwürfel zur Verteidigung in die Stadt bringen und neue Kadmeia-Teile von deinem Board in den Hauptspielplan verlagern.

Attraktiv ist es auch durch die Bevölkerungswürfel auf einer der beiden Altarleisten voranzuschreiten. Da warten tonnenweise Boni darauf, von euch eingesammelt zu werden. Der Fortschritt auf diesen Leisten ist sicher auch eine der Erfolgsstrategien bei „Thebai“, weil dort zusätzliche Aktionen freigeschaltet werden können, um dem engen Konstrukt aus 10 Spielphasen geschickt zu entkommen.

kein Expertenspiel ohne Leisten
kein Expertenspiel ohne Leisten

Eure Bevölkerungswürfel könnt ihr auch auf dem zentralen Spielplan zwischen bereits eingesetzten Teilen der Kadmeia einsetzen. Dort bringen sie euch in der Regel Rohstoffe. Alleine über die Frage, wo der Bevölkerungswürfel nun besser untergebracht werden kann, habe ich schon lange Wartezeiten durchstehen müssen. „Thebai“ braucht Zeit und Geduld, weil es wirklich zum Grübeln einlädt.

was bitte ist denn ein archon

Im Anschluss an eure schicksalsträchtige Entscheidung rund um den Bevölkerungswürfel wandert eure Archon-Spielfigur über die Teile der Kadmeia, die schon wieder errichtet wurden. Dabei baut ihr alle gemeinsam an einer Baustelle, aber habt eure unterschiedlichen Ideen und Ziele. Dort, wo eure Archonfigur stehen bleibt, löst sie einen gewinnbringenden Effekt aus. Ach ja, ein Archon verkörperte in der Antike einen hohen Beamten. Für „Thebai“ ist es quasi der Bürgermeister, der sich mal den Fortschritt anschaut und dich mit Einkommen belohnt.

Sehr cool gelöst ist, dass die Archonfiguren auf ihrem Weg eingesetzte Würfel überspringen können. Tun sie dies bei den Würfeln der anderen, werden diese wertvoller und die Dreherei beginnt! Hüpft ein Archon über eigene Würfel, sinken sie im Wert. Auch wenn man ziemlich genau weiß, was man mit dieser Bonus-Bewegung am liebsten erreichen möchte, gilt oftmals die Devise: Lieber den Magen verrenkt als dem Wirt was geschenkt, und man verzichtet vielleicht doch darauf ein Kadmeia-Plättchen anzusteuern, weil die anderen davon profitieren würden.

Archon-Action
Archon-Action

Steigt nämlich ein Würfel über seinen maximalen Wert, wird er im Fall der weißen Bevölkerungswürfel zu einem Ratsmitglied und sorgt für Punkte, oder im Fall der schwarzen Hoplitenwürfel zu einem Heerführer, der sogar noch einen Helden im Schlepptau haben kann. Beides katapultiert in Richtung Sieg. Jetzt wisst ihr, warum der Archon also lieber zweimal überlegt, bevor er den anderen solche Vorteile verschafft.  

Während der Aktionsphase könnt ihr noch Aufträge einlösen. Die sind in der Regel so gestaltet, dass ihr eure Ressourcen einsetzt, um dann von Aktionen, Siegpunkten oder Effekten zu profitieren. Außerdem sammelt ihr mit den Aufträgen über einen Set-Collection-Mechanismus am Schluss noch ein paar Punkte ein auf dem Weg zum Erfolg.

schraube am schicksal

Die Aktionsphase spielt ihr reihum. Danach kommt die Schicksalsphase, die für alle gleichzeitig stattfindet. Sie unterscheidet sich in Wohlstand und Konflikt. Der Unterschied wird durch Plättchen angezeigt, von denen 10 ausliegen. Da ihr wisst, was in einer Wohlstandsphase auf euch zukommen wird, habt ihr Zeit, diese Belohnungen für euch bestmöglich abzugreifen. Beispielsweise werdet ihr belohnt, wenn ihr Bevölkerungswürfel in der Stadt habt oder dürft Würfel in der Stadt verbessern. Manchmal braucht es dafür ein paar Ressourcen, habt also immer ein paar Drachmen, Trauben, Bronzeplättchen oder Amphoren auf der hohen Kante. 

Ganz anders dagegen verläuft die Schicksalsphase, wenn ein Konflikt geregelt werden muss. Dann wird nämlich eins der Stadttore Thebens angegriffen und ihr verteidigt es mit den Werten eurer eingesetzten Hoplitenwürfel und Heerführer. Könnt ihr den Angriff abwehren, gibt es Beute. Verliert ihr oder habt vielleicht gar nicht teilgenommen, kostet dich das Siegpunkte. Und die verdienst du in „Thebai“ so hart, dass du das auf jeden Fall vermeiden möchtest.

Zeit für Helden
Zeit für Helden

Bei diesen Konflikten wurde bewusst auf einen kleinen Glücksmoment gesetzt. Der Angriff setzt sich nämlich aus zwei Werten zusammen: einem Grundwert, der allen bekannt ist, und einem geheimen Modifikator, der den Wert vielleicht noch erhöht. Bevor ihr die Nase rümpft, weil Glück in einem Expertenspiel ja angeblich nichts zu suchen hat: der Glücksfaktor ist minimal. Du kannst also ziemlich gut errechnen, ob es dir gelingt, den Angriff abzuwehren oder nicht. Es kann sich aber ein bisschen störend auf die Beute auswirken. In einer Partie „Thebai“ wird es zu vier solchen Angriffe kommen, die anderen sechs Runden könnt ihr euch Wohlstand verschaffen.  

10 runden bis zum ruhm

Wenn ihr dann nach 10 Runden am Spielende angekommen seid, gibt es noch ein bisschen Fleißarbeit für euch, um die letzten Punkte zusammenzuzählen.

Prüft unter anderem, was ihr für eingesetzte Ratsmitglieder gutgeschrieben bekommt, belohnt euch für Kadmeia-Teile, die ihr in der Stadt eingebaut habt und greift Set-Collection-Punkte für erledigte Aufträge ab. Die Person mit den meisten Punkten gewinnt. Oder sollte man vielleicht sagen, die Person, die am längsten die Konzentration aufrecht erhalten und die eigenen Züge ausschlachten konnte, gewinnt? „Thebai“ ist nämlich ein Zeitmonster.

Na, alles klar auf deinem Playerboard?
Na, alles klar auf deinem Playerboard?

Schon auf der Schachtel sind bis zu 180 Minuten Spieldauer angegeben. Und jede Person, die im Nebenhobby Analyse-Paralyse betreibt, kann in Vollbesetzung diesen Wert noch nach oben steigern. Das liegt natürlich daran, dass du durch die Verknappung an Spielphasen nur genau 10-mal an der Reihe bist. Da muss jede Entscheidung sitzen, wenn du nach hinten nicht den Anschluss an die Lorbeer-Plätze verlieren willst. „Thebai“ verlangt von euch einiges an planerischen, strategischen und taktischen Finessen ab! Und du musst in der Lage sein, eine Flut an Symbolen entschlüsseln zu können. Auch wenn das anfänglich zu überfordern scheint, schaffen die Symbole es doch, dass du dich zielsicher in deinen Spielzügen bewegst. Außerdem kannst du dich auch immer auf das gut strukturierte und verständliche Glossar verlassen.

holz und polyethylen

Der Höhepunkt des Materials, das euch zur Verfügung steht, sind sicher die wertigen Kadmeia-Steine aus Holz. Aber auch der Rest an Tokens, Karten und Aufstellern stellt mich beim Spielen zufrieden. Das sieht alles wertig aus und fühlt sich auch so an. Leider findet das komplette Material – und das ist einiges – seinen Platz in Standard-Zip-Beuteln. Ich äußere hier nur eine ganz private Meinung: Mich macht das nicht an, wenn ich beim Öffnen eines Deckels das Gefühl habe, in meine Recyclingtonne zu schauen.

Sicher lässt sich jede Diskussion über das Innenleben einer Schachtel auf die Preisfrage reduzieren, aber ein Sortiersystem aus Kartonschachteln zum Einsortieren und Lagern von Tokens kann auch nicht die Welt an Produktionskosten verursachen. Deswegen formuliere ich mal eine allgemeine Aufforderung an die Verlage: Ein bisschen Goodwill für ein bisschen mehr Feelgood.

für wen ist „thebai“?

T-Enthusiasten wollen „Thebai“. Turci hat einfach das geliefert, was man sich von einem Spiel aus dieser Reihe verspricht: komplexe Abläufe bei schlichtem Grundmechanismus. In „Thebai“ ist das Rezept zum Erfolg simpel: Setze deinen Bevölkerungswürfel ein und entfache ein Feuerwerk an Möglichkeiten.

Anmerkung:
Meine Gedanken zu „Thebai“ sind in ählicher Form auch auf Ringbote.de erschienen.

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