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Farwaway hat die Schnur gezündet – Interview mit AllGo Games

Hinter den Kulissen von AllGo-Games ↗ wirken aktuell genau zwei Personen, nämlich Claudia und Sébastian. Was zuerst als Wunschgedanke entstand, ist für die beiden mittlerweile Realität – der eigene Brettspielverlag. Ihre besondere Motivation: richtig gute französische Spiele in Deutschland zu lokalisieren. Und als wäre das nicht genug, kamen sie parallel auf die Idee, einen Brettspielladen samt Onlineshop zu eröffnen.

Wie sie das alles unter einen Hut bekommen, verraten sie Sandra und Oli an einem ihrer wichtigsten Orte – der Couch.

Oli: Mit diesem Interview sind wir quasi auf den Spuren von Bruno unterwegs. Wir wollen uns heute wieder einen Fokus nehmen – aber diesmal nicht notwendigerweise Perlen, die Sandra aus Frankreich gefunden hat, sondern Perlen, die ein deutscher Verlag aus Frankreich nach Deutschland holt: AllGo-Games. Deswegen sind Claudia und Sébastian heute unsere Gäste und wir befragen sie zu den vielschichtigen Aspekten ihrer Arbeit als Brettspielverlag und zur Führung ihres Spieleladens, den sie sich als gemeinschaftliche Aufgabe ausgedacht haben. Claudia, was war zuerst da: Laden oder Verlag?

Claudia: Ursprünglich hatten wir die Idee mit dem Verlag. Daraus sind Nebenprodukte entstanden, wie ein Onlineshop und dieses Jahr zusätzlich ein lokaler Laden. Alle drei Bereiche fügen sich wunderbar zusammen und ergänzen sich sehr gut.

Sandra: Ich finde es sehr spannend, dass der Verlag zuerst da war. Ich hätte getippt, dass vielleicht zuerst der Laden da war und man sich dachte, dass einige tolle Spiele fehlen, die man selbst gerne in Deutschland hätte.

Sébastian: Grundsätzlich lagst du richtig, Sandra: Die Idee für den Verlag war von Anfang an da, aber es ist uns nicht sofort gelungen. Deshalb haben wir zunächst mit dem Onlineshop angefangen.

Claudia: Genau, die Verlagsidee war geboren, aber wir brauchten etwas länger. Wir sind mit dem Onlineshop erst einmal ins Brettspielgeschäft eingestiegen und in die Branche hineingewachsen. Dadurch konnten wir super Einblicke gewinnen, um jetzt im Verlag noch besser zu agieren.

Sébastian: Wir haben gesehen, dass es im Ausland sehr viele Spiele gibt, die es verdienen, auf dem deutschen Markt in deutscher Sprache zu erscheinen. Jedes Mal, wenn ich in Frankreich war, hat mich Claudia in Brettspielgeschäfte geschickt und war mein Telefonjoker. Sie hat mehr Erfahrung als ich, und ich habe sie gefragt, ob es ein Spiel schon in Deutschland gibt. Wir haben Spiele getestet und uns gedacht: „Das ist wirklich gut, warum gibt es das nicht auf Deutsch?“

Claudia: Zu Beginn habe ich besonders darauf geachtet, dass es sprachneutrale Spiele sind. Da ich kein Französisch spreche, musste ich das Spiel verstehen und aufpassen, dass Sébastian mir die Regeln nicht so hinbiegt, wie es für ihn am besten passt. So haben wir gestartet, um die ersten Lokalisierungsideen zu sammeln. In Nîmes, wo Sébastian herkommt, gibt es einen ganz tollen Brettspielladen. Sébastian hat mich von dort regelmäßig angerufen oder Fotos geschickt.

Sébastian Wir haben dann ausbaldobert, was er mitnehmen kann und was wir testen wollen, sodass er mit riesigen Spieletüten nach Hause kam. Das hat damals mit Faraway angefangen.

Sandra: Gab es ein bestimmtes Spiel, das den Anstoß gegeben hat zu sagen: „Dieses Spiel möchten wir in deutscher Sprache herausbringen und jetzt machen wir unsere Idee wahr“?

Sébastian: Faraway hat im Endeffekt die Schnur gezündet. Das Spiel hat uns wirklich umgehauen, weil es ein Klassespiel ist – auch wenn es letztlich nicht bei AllGo-Games, sondern bei Kosmos auf Deutsch erschienen ist. Das war im Endeffekt die Zündung.

Claudia: Als wir Faraway sahen, gab es das noch nicht auf Deutsch. Uns kannte natürlich niemand, und vermutlich war es bei Kosmos bereits in trockenen Tüchern. Das war der Grundstein, der gelegt wurde, und es kamen einige andere Titel hinterher, die uns gut gefielen. Das nächste Projekt, das wir entdeckt hatten und machen wollten, war Space Aztecs.

Sébastian: Ich hätte jetzt etwas anderes gesagt.

Claudia: Was denn?

Sébastian: Ich dachte, du sagst Niwashi.

Claudia: Ja, aber Space Aztecs war tatsächlich das erste Spiel, das Sébastian aus dem Laden mitgebracht hat und das uns so gut gefiel, dass wir versuchten, Kontakt zum Verlag zu knüpfen.

Sébastian: Und das haben wir geschafft!

Claudia: Genau, das haben wir geschafft.

Sandra: Sogar sehr gut! Ich habe das Spiel nämlich zum ersten Mal in der deutschen Version entdeckt. Wenn man eure ersten Bemühungen zur Verlagsgründung ins Jahr 2023 zurückrechnet und heute im Jahr 2026 spricht: Wie viel Arbeit liegt hinter euch und was würdet ihr bis heute als eure wichtigsten Erfolge verzeichnen?

Claudia: Der wichtigste Erfolg war, überhaupt die Kontakte zu den großen französischen Verlagen zu bekommen, als kleiner deutscher Verlag wahrgenommen zu werden und die Chance auf eine Lokalisierung zu erhalten.

Sébastian: Zu dem Zeitpunkt waren wir noch nicht einmal ein offizieller Verlag.

Claudia: Als wir damals Space Aztecs angefragt haben, ging es plötzlich Schlag auf Schlag. Wir bekamen zeitnah hintereinander drei Spiele lizenziert, die letztes Jahr alle gleichzeitig in Essen herauskamen. Der größte Meilenstein war wirklich, den ersten Kontakt herzustellen.

Sébastian: Genau. Den ersten Fuß in die Branche zu setzen, war wirklich nicht einfach. Wir haben die Kontakte zu den großen Verlagen über Umwege geschafft.

Sandra: Ist es dabei ein Vorteil, dass du Franzose bist?

Sébastian: Ich denke schon. Es ist eine ganz andere Ebene, wenn man mit den Verlagen auf Französisch spricht statt auf Englisch oder Deutsch. Man baut eine andere Beziehung auf. Der Verlag, bei dem ich ein Spiel anfragte, wollte es nicht in dieser Version lokalisieren, stellte aber den Kontakt zu Gigamic her. Gigamic verschaffte mir dann den Kontakt zu Black Rock.

Als wir dann auf der Couch saßen und feststellten, dass wir ab heute ein Verlag sind, kam plötzlich Panik auf. Die Messe in Essen war nicht mehr weit weg und wir mussten einen Stand bauen.

Sandra: Diese schöne dunkelgrüne Couch ist also von der Panik-Couch zur Erfolgscouch geworden! Ihr wart ja auch auf der Berlin-Con und habt dort euer komplettes Spieleportfolio präsentiert.

Claudia: Die Berlin-Con dieses Jahr hat uns umgehauen, sie war wirklich toll. Dort trifft man sehr viele Familien- und Gelegenheitsspieler. Die Messe hat riesigen Spaß gemacht.

Sébastian: Etwas Stress hatte ich nur auf der Berlin-Con, weil als Helfer meine Söhne und die Freundin eines Sohnes dabei waren und ich nicht wusste, wie sie die Spiele erklären würden. Aber der Stress war sofort weg, als ich sah, wie großartig meine Söhne das gemeistert haben.

Sandra: Quasi ein Familienbetrieb!

Sébastian Auf jeden Fall für die Messezeit. Wir hatten in Berlin eine schöne Vitrine aufgebaut. Wenn ich darauf schaue, bin ich stolz: Vor einem Jahr haben wir den Verlag gegründet, letztes Jahr vier Spiele herausgebracht und dieses Jahr bringen wir neun Spiele plus zwei Erweiterungen heraus.

Oli: Das könnt ihr auch sein! Das ist eine beachtliche Leistung für ein Zweipersonenteam mit Onlineshop und Laden. Habt ihr im Hintergrund noch Brotberufe oder könnt ihr von Onlinehandel, Laden und Verlag bereits leben?

Sébastian: Bis Ende August hatte ich noch einen anderen Job. Den musste ich aufgeben, weil ich es zeitlich und körperlich nicht mehr geschafft habe – mit einer 7-Tage-Woche ohne Urlaub. Ich habe teilweise nachts gearbeitet und Claudia hat mich um 4 Uhr morgens in der Küche beim Übersetzen gefunden.

Oli: Wir haben noch gar nicht erwähnt, dass euer Laden in Heinburg liegt und Brettgeflüster heißt. Menschen in Hessen sollten unbedingt bei euch vorbeischauen.

Claudia: Genau, Heinburg gehört zum Landkreis Offenbach, gut gelegen zwischen Frankfurt und Aschaffenburg. Der Laden läuft sehr gut, auch wenn Heinburg ein kleinerer Ort ist.

Sandra: Und wer es nicht dahin schafft: Den Onlineshop gibt es auch.

Claudia: Genau, der hat 24/7 ↗ geöffnet.

Sandra: Möchtest du verraten, welche Spiele ihr in Essen anbieten werdet?

Sébastian: Sehr gerne! Ein Highlight ist Red Notice, ein klassisches Spiel mit Hidden Movement und tollen Pokerchips. Wir sind in Halle 6 am Stand 6K1 zusammen mit Gigamic, Scorpion Masqué und Sorry We Are French. Außerdem bringen wir Leda heraus, einen Engine-Builder für zwei Personen, sowie Tanbo von Studio Musoka.

Claudia: Für Kinder haben wir Grizzy & die Lemminge dabei, ein kooperatives und kompetitives Spiel für Kinder von 5 bis 9 Jahren. Das ist ebenfalls eine französische Lokalisierung nach einer Fernsehserie.

Sandra: Würdet ihr sagen, dass euer Schwerpunkt auf Familienspielen liegt?

Sébastian: Unser Schwerpunkt liegt auf guten Spielen!

Claudia: Letztes Jahr hatten wir nur Familienspiele, dieses Jahr auch Kennerspiele. Reine Expertenspiele machen wir eher nicht, da dafür höhere Produktionskosten und viel Zeit für Testrunden nötig wären.

Sandra: Gibt es einen Unterschied zwischen der deutschen und der französischen Brettspielszene?

Sébastian: In Frankreich sind Spiele eher im Familien- und Kennerspielbereich angesiedelt, während die Deutschen mehr Expertenspiele haben. Französische Spiele haben zudem oft einen deutlich höheren Ärgerfaktor.

Claudia: In Frankreich gibt es außerdem auch sehr viele Zweipersonenspiele.

Oli: Gibt es Spiele oder Themen, bei denen ihr sagt: „Da lassen wir die Finger von“?

Claudia: Politik und Wirtschaft wären für mich keine Themen. Auch bei Spieletiteln muss man aufpassen, wie sie auf Deutsch klingen.

Sandra: Habt ihr durch den Laden einen besseren Einblick in die Brettspielszene?

Sébastian: Das ist ein sehr großer Vorteil. Wir lassen unsere Kundschaft im Laden auch Prototypen und Testspiele ausprobieren.

Oli: Zum Abschluss unsere Frage nach eurem persönlichen Brettspieltraum: Claudia, was wäre dein Wunsch?

Claudia: Da muss ich einen Moment nachdenken, mir fällt spontan gar nichts ein.

Oli: Sébastian, was ist dein Brettspieltraum?

Sébastian: Wenn ich in ein paar Jahren zurückblicke und sehe, wie viele Menschen wir mit Brettspielen begeistern konnten. Und wenn mein Sohn mit in den Verlag einsteigt und wir ein motiviertes kleines Team haben – das wäre für mich ein Traum!

Claudia: Das ist definitiv unser gemeinsamer Traum!

Sandra: Vielen Dank euch beiden für das wunderbare Gespräch!


Das hier abgedruckte Interview ist mit der Hilfe der KI aus der Folge Auf der Couch mit AllGo-Games entstanden. Das komplette Interview gibt es für euch hier zum Nachhören:

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