Brushwood – Auf ins Unterholz!
Wer von euch ist als Kind freudestrahlend aufgesprungen, wenn die Eltern sonntags einen Spaziergang in der Natur machen wollten? Mir stellten sich die Nackenhaare. Heute ist das anders: Jetzt kribbelt es schon in den Füßen, wenn ich nur an den Duft eines Schwarzwälder Nadelwaldes denke – und deshalb: Auf ins Unterholz!
eine Rezension von Pete Schwär (Brettseggel)
Brushwood
Spielidee von Filippo Landini
Illustrationen von Matt Sanz
Korea Board Games 2026
für 2-4 Personen in 20-30 Minuten
Wandern und Kartenausbauen

darum geht’s in brushwood
In ebendiesem Brushwood können wir eine ganze Menge erleben. Wir sind jeweils Wanderer, die jeder für sich einen Weg durch den Wald suchen und dabei Beeren und Pilze sammeln und Tiere beobachten. Wer dabei am meisten sieht und einpackt, hat den tollsten Tag – und gewinnt also.
schuhe an, los geht’s
Um eine zentrale Auslage herum werden acht Stapel mit Waldkarten ausgelegt. Was der jeweilige Waldabschnitt zu bieten hat – etwa Eichhörnchen, Steinpilze und Blaumeisen – kann ich schon “aus der Ferne” sehen. Ich gehe meinen Weg – aber eben nicht allein. Wir Wanderer teilen uns eine Figur, die ich im eigenen Zug ein bis drei Plätze weiterziehe. Die dann erreichte Waldkarte lege ich an meinem eigenen Wanderweg an.
Auf jede übergangene Waldkarte wird eine zufällig aus einem Säckchen gezogene Beere gelegt. Diese Himbeeren, Brombeeren und Moltebeeren sind nicht nur lecker, sondern machen diesen Waldabschnitt nun auch für die nächste Runde attraktiver.
So entwickeln sich die Wanderwege der Spielenden und durch die linear angelegten Karten entsteht ein Waldpanorama. Ich versuche dabei durch die Auswahl meiner Karten die Punkte für Waldfrüchte und Tiersichtungen zu maximieren.
der pfad der punkte
Punkte bekomme ich für eine Reihe von Dingen: Bei den Beeren bekomme ich sie durch Mehrheiten. Tiere wie Füchse und Eichhörnchen haben ihre eigenen Punktwerte. Die Vögel werden in Abhängigkeit von ihrem zugehörigen Vogelhäuschen gewertet: Dafür multipliziere ich den Wert des Häuschens mit der Anzahl von zugehörigen Blaumeisen, Schwarzspechten oder Rotkehlchen. Abgebildete Ferngläser bringen Punkte für Vögel auf den Nachbarkarten. Und jede Pilzsorte – Steinpilz, Pfifferling und Milchling – schließlich ermöglicht mir, je nach gesammelter Anzahl schon im Spielverlauf ein Punkteplättchen aus der zentralen Ablage zu nehmen. Und die ist passenderweise als Pilzkorb gestaltet.
Lohnend sind vor allem die Punkte-Chips für vier oder fünf Pilze einer Sorte. Hier entsteht dann auch ein kleines Wettrennen mit einer Push-your-luck-Komponente: Warte ich auf den fünften Pilz oder gehe auf Nummer sicher und löse jetzt meine vier Pfifferlinge ein? Ein Punkteplättchen kann ich nur dann nehmen, wenn ich einen neuen Pilz pflücke. Und: Was sammeln eigentlich die anderen?
beerenpflücken mal anders
Die Wanderung ist dabei immer belohnend, denn mit jeder Karte erhalte ich etwas. Die Wahl der Karte ist dabei normalerweise auch schnell getroffen, bin ich doch auf die drei nächst ausliegenden beschränkt. Ich bin auch nicht gefordert, ein aufwändiges Ressourcenmanagement zu betreiben, um eine Karte zu nehmen. Selbst das Überspringen einzelner Karten muss mir kein Kopfzerbrechen machen, weil ich meinen Mitspielern Beeren vor die Füße werfe – vielleicht kann sogar ich selbst diese einsammeln, wenn ich wieder am Zug bin. Gleichzeitig lohnt es sich, im Blick zu behalten, was die Mitwanderer sammeln; vielleicht kann deren Wunschkarte ja auch den eigenen Wald aufwerten.
für wen ist brushwood
Die Regeln sind schnell erklärt – ich laufe los und sammle ein. Das macht das Spiel sehr zugänglich, auch für Einsteiger und Nachwuchsspieler. Diesen kann man mit dem Spiel gut variable Punktwertungen nahebringen. Ebenfalls ein Türöffner ist die wunderschöne Grafik, die einen asiatischen Anime-Stil mit europäischer Flora und Fauna kombiniert.
Gleichzeitig ist Brushwood durch die variable Kartenauslage eine reizvolle Optimierungsaufgabe und kompetitive Herausforderung auch für erfahrene Spielende, zum Beispiel als Auftakt oder zur Abrundung eines Spieleabends. Ob es dort aber zum Dauerbrenner wird, steht auf einem anderen Blatt.
Mir bietet Brushwood eine gemütliche Wanderung ohne große Anstrengung aber mit belohnenden Eindrücken. Mal sehen, ob ich damit meine Kids zum nächsten Sonntagsausflug motivieren kann.

Diese Rezension stammt von Brettseggel Pete.
Pete spricht und schreibt am liebsten über Spiele, die er mag. Die anderen spielt er nicht oft genug, um sich ein Urteil anmaßen zu wollen.




