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bunte Gehirne – Mind Space

86 Milliarden Neuronen, 100 Billionen Synapsen, ein Gehirn: Was in der Schaltzentrale meines Lebens beim Spielen so alles passiert, verstehe ich auch nicht immer. Dort sollen alle Emotionen und Bedürfnisse gespeichert werden – oder kommen sie von dort und ich muss ihnen folgen? Diese Fragen beantwortet am besten das Fachgebiet der Neurologie – oder in meinem Fall eher die Psychiatrie? Aber bevor ich euch langweile, schenke ich euch stattdessen meine Gedanken zu „Mind Space“.

Mind Space

Spielidee von Nao Shimamura
Illustrationen von Julianne Griepp
Allplay 2023
für 1-5 Personen in 30 Minuten
Flip and Write

darum geht’s in mind space

Zeichne Polyomino-Formen auf deinem Spielplan ein. Dabei spielen nicht nur die Formen eine wesentliche Rolle, sondern auch die Farben. 12 Runden lang füllst du so verschiedene Bereiche deines Gehirnspielplans und gewinnst am Ende mit den meisten Punkten. Da „Mind Space“ noch nicht für Deutschland lokalisiert wurde, brauchst du Englischkenntnisse, wobei der größte Teil des Spiels sprachneutral gestaltet ist.

roll and flip and write?

Die Box von „Mind Space“ ist quadratisch, praktisch gut und farbenfroh gestaltet. Helle und warme Farbakzente vermischen sich zu einem Traumbild. Sieht es so in meinem Gehirn aus?
Schaust du in die Schachtel, kommt dir der Inhalt sicher sofort vertraut vor. Abwischbare Spieltableaus und Marker in sechs verschiedenen Farben, Karten mit Polyomino-Darstellungen zum Aufdecken, eine Auswahl offener Ziele in drei verschiedenen Anspruchsstufen – und Würfel! Ja, was denn jetzt: rollen oder flippen wir? Die Antwort lautet: Beides!

Vor dir liegt eine Auslage von sechs Karten mit Polyomino-Formen. Eine davon darfst du in deiner Runde einzeichnen. Welche überhaupt infrage kommen, sagen dir die Würfel. Mit ihren Werten aktivieren sie nämlich die Karten. Außerdem muss die gewählte Form in der Farbe des Würfels eingezeichnet werden. Und jede Farbe bringt ihre spezielle Punktwertung am Ende der Partie mit ein.

farbkomposition

Je öfter du eine orange Figur einzeichnest, desto mehr Punkte bekommst du. Die Farbe Lila will an möglichst vielen orangefarbenen Flächen kuscheln. Bei Blau startest du erstmal mit Minuspunkten und arbeitest dich zur Null vor. Pink agiert wie ein Doppelgänger und organisiert dir Punkte, wenn die gleiche Form in einer anderen Farbe nochmal vorkommt. Nur eine Farbe tanzt da ein bisschen aus der Reihe.

Zeichnest du eine grüne Form ein, häufst du dir Geld an. Das kannst du ausgeben, um an den Regeln zu schrauben. Für einen Credit darfst du mit dem schwarzen Stift eine Lücke ausmalen. Zwei Credits entbinden dich von der Form-Farbvorgabe. Und mit drei Credits kaufst du dir einen Extrazug. So machst du bei Grün nur indirekt Punkte für die Endabrechnung.

dopamin für den nucleus accumbens

Natürlich gibt es auch noch weitere Quellen für deine Punkte. FÜr jeden komplett ausgefüllten Bereich deines Gehirnspielplans belohnst du dich. Außerdem warten offene Aufträge darauf, schnell erledigt zu werden. Mein erster Gedanke ging da sofort an die Welcome-to-Reihe ↗.

Dazu brauchst du beispielsweise Farben in bestimmten Bereichen deines Boards, Sets von Polyomini-Formen oder schlicht weg Credits auf der hohen Kante. Zwölf dieser Zusatzwertungen gibt es, drei werden gespielt. Für Varianz im Punktebereich ist also gesorgt. Ähnlich wie bei Patchwork ↗ bekommst du aber auch was abgezogen, wenn du Lücken gelassen hast.

Auf deinem Scoreboard sind alle Farbwertungen, Bereichswertungen und Ziele abstrahiert dargestellt. Da werden die Teilsummen akurat untereinander eingetragen und zum Endergebnis berechnet.

die farbe lila

Hier eine Warnmeldung meiner Amygdala. Sie ist das Zentrum meines Gehirns, in dem die Emotionen sitzen: Ich rege mich jetzt auf!
Es kann mal vorkommen, dass einer der abwischbaren Stifte schnell seinen Geist aufgibt. Das haben wir ja auf besondere Art und Weise bei der ersten Auflage von Dito ↗ alle erlebt. Besonders bei bunten Stiften ist es dann ein bisschen lästig, sich Ersatz zu beschaffen. Aber ich bin mir sicher, ihr habt eh ein Set von Alternativstiften in der Schublade.

Dass aber ein Stift von Anfang an ausgetrocknet und damit unbrauchbar ist, hat mich wirklich genervt. Das war bei der Farbe Lila so. Und noch weniger mag ich diesen Umstand akzeptieren, wenn drei – in Großbuchstaben DREI – Leute aus der Brettspielbubble auf Instagram genau die gleiche Situation schildern: neues Spiel, austrockneter lila Stift. Das ist ein Mangel, den es zu beheben gilt, Allplay.

für wen ist es

„Mind Space“ drückt alle deine Knöpfe, wenn du das Genre der Flip-and-Write-Spiele ↗ zu schätzen weißt und gelernt hast, das Wort Polyomino stolperfrei auszusprechen. Hier ein bisschen Der Kartograph ↗, dort ein bisschen Bärenpark ↗ – die Vibes der Vorgängerspiele sind definitiv zu erkennen. Mitnichten kann man aber von einem Abklatsch reden.

Das liegt für mich vor allem an dem raffinierten Auswahlmechanismus über die farbigen Würfel und der Frage, wie man sich am besten davon freimacht. Am Ende sieht das Board, auf dem du deinen Farbenteppich aufgemalt hast, superbunt aus. Um ehrlich zu sein, assoziiere ich mein spielerisches Ergebnis häufig mit dem, was ich mir unter einem LSD-High vorstelle.

In meiner Einschätzung befinden wir uns auch am Ende der Familienskala. In „Mind Space“ musst du schon mit Übersicht planen und optimieren, um gegen die Konkurrenz zu bestehen – auch weil durch die Mechanik der offenen Aufträge ein Renncharakter in das Spiel eingebaut wurde. Natürlich spielt Glück eine Rolle – Würfel fallen nun mal so, wie sie fallen, – aber du musst aus den Möglichkeiten erst einmal Erfolg malen.

… und kauf dir schon mal einen neuen Stift in der Farbe Lila – du wirst ihn brauchen.

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